In Erinnerung an meinen Tiger, der am 2. Januar 2002 verschwand. Ich fand ihn Anfang 2001, als er plötzlich halbverhungert vor meiner Türe saß...
Er brachte uns im Sommer 2001 unseren damals noch winzigen Fleck (Fleckchen). Er hatte ihn am Vortag noch aus einer brennenden Scheune holen können und brachte ihn uns einen Tag später mit heim.

Mein Tiger

Ein Jahr lang warst Du bei uns. Du warst so mutig und stolz und dennoch so voller Feingefühl. Wir begegneten uns in Bayern in Nörting, dort streuntest Du mit dem Knödelchen über den Bauernhof einher. Ihr tatet mir so leid, wart immer hungrig und eure anfängliche Vorsicht vor Menschen zeigte mir, dass man euch nicht sehr gut behandelte. Als wir in das kleine Haus am Bauernhof einzogen mein Tiger, hast Du uns immer aus der Ferne beobachtet. Irgendwann trafst Du mit Jerry und Gipsy zusammen, die jetzt immer noch bei mir sind. Ich habe versucht über dich etwas herauszufinden, zum Beispiel wie alt Du bist, aber niemand hatte sich je für dich interessiert und so wusste auch niemand genau über dich bescheid nur soviel: Du warst irgendwann einfach da. Ich fand eure Schicksale so traurig und der Winter als wir uns trafen war so hart. Ich habe versucht dein Vertrauen zu gewinnen und nach etwa einer Woche hast Du dich jeden Morgen mit dem Knödelchen zusammen vor unsere Haustür gesetzt und dann gab es für euch erst einmal zu essen. Nach einiger Zeit besuchtest Du mich auch das erste mal im Haus und das Knödelchen traute sich dann ebenfalls hinein.

Du hast dich sogar von mir versorgen lassen ich durfte deine Ohren säubern und dir eine Flohampulle in den Nacken träufeln. Du warst immer so tapfer wenn ich deine Wunden versorgte und im Sommer 2001 zeigtest Du uns was in dir steckt, als Du ein Katzenbaby aus einer brennenden Scheune holtest und es in einen anderen Schuppen brachtest. Ich durfte dort nicht hinein und ich bangte so sehr um dein Leben als ich dich in die Scheune rennen sah und als ich schon dachte dass Du es nicht geschafft hast, kamst Du mit dem kleinen Bündel in deinem Mund heraus gerannt und hast es versteckt. 2 Tage und Nächte bliebst auch Du verschwunden und dann brachtest Du uns das kleine wimmernde Fleckchen vor die Haustüre. Deine Pfötchen waren verbrannt und stellenweise fehlte dir auch das Fell etwas an den Beinen. Du hast unter dem Einsatz deines eigenen Lebens den kleinen Fleck gerettet und ich war so stolz auf dich mein großer. Von da an wichst Du uns kaum noch von der Seite, warst bei uns zuhause und wir versorgten auch deinen kleinen Schützling mit.

Als wir dann im November in ein anderes Haus zogen, nur einen Ort weiter nahmen wir euch selbstverständlich mit. Aber ihr musstet nach dem Umzug erst einmal eine Woche im Haus bleiben und weil Du mich als dein Eigentum ansahst, hast Du auch alles Markiert wo wir uns aufhielten. Als wir euch erstmal hinausließen, hast Du den riesengroßen garten erkundet, wie auch die anderen alle und bliebst immer in der Nähe des Hauses.

Dann hieß es am 2 Januar im neuen Jahr, dass wir einen Termin beim Tierarzt wahrnehmen mussten. Du, Knödelchen und der Fleck, der mittlerweile auch schon im Flegelalter war. Die Kastration von euch dreien stand an und glaube mir mein Schatz, wenn ich vorher gewusst hätte was Du mitmachst, ich hätte es dir erspart. Am Nachmittag des zweiten Januars holte ich euch vom Tierarzt wieder ab und brachte euch ins Haus. Du wolltest immer auf den Stuhl aber Du fielst wieder herunter, so setzte ich dich auf eine Decke und am Abend warst Du wieder recht fit, so sehr, dass Du an der Haustüre kratztest weil Du hinauswolltest. Wir haben dich jammern gehört mein Tiger und irgendwann haben wir dich auch hinausgelassen. Vielleicht musstest Du ja mal, aber das war ein Fehler. Du kamst nicht mehr.
Wochenlang haben wir dich gerufen und gesucht, sind immer wieder zurück nach Nörting gefahren in der Hoffnung, dass Du wieder zurück dorthin läufst, aber es war nicht so.

Seit diesem 2. Januar haben wir dich nicht mehr wiedergesehen und wir müssen davon ausgehen, dass auch Du mittlerweile über die Regenbogenbrücke gegangen bist. Leb wohl, dort wo Du sein solltest mein großer, ich werde dich nie vergessen....